Bevölkerung

Namibia ist extrem dünn besiedelt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf wenige Städte und den fruchtbaren Norden des Landes, wo nahezu zwei Drittel der Bevölkerung leben. Ein weiteres Drittel lebt in Zentralnamibia, wobei dort alleine in Windhoek mehr als 300.000 Menschen ihren Wohnsitz haben. Im Süden des Landes leben gerade einmal 7 % der Einwohner, während der Westen und die Namib-Wüste mit Ausnahme der Hafenstädte nahezu menschenleer sind.

Insgesamt hat Namibia derzeit etwa zwei Millionen Einwohner mit bisher stark wachsender Tendenz. Besonders in den Jahren zwischen 1970 und 1990 hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Das derzeitige jährliche Bevölkerungswachstum liegt bei 3 %. Allerdings sind über ein Fünftel der Bevölkerung mit AIDS infiziert. Dadurch ist die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt deutlich gefallen: sie liegt bei etwa 43 Jahren. Das Durchschnittsalter beträgt 20 Jahre.

Namibia gehört zwar zu den reicheren Ländern Afrikas, die Arbeitslosenrate liegt jedoch bei 30 – 40 %, das monatliche Einkommen bei etwa 120 Euro – mit erheblichen Schwankungsbreiten: Namibia weist weltweit die ungleichste Einkommensverteilung auf. Die Computerdichte liegt bei 36 pro 1000 Einwohner, die PKW-Dichte bei 32. Das Bruttoinlandsprodukt entfällt zu 58,8 % auf Dienstleistungen, zu 31,5 % auf die Industrie und zu 9,7 % auf die Landwirtschaft.

80 % der Namibier sind Christen, die restlichen Einwohner sind Anhänger traditioneller Naturreligionen. Das Land ist in viele verschiedene ethnische Gruppen gespalten.

San / Buschmänner
Die Buschmänner oder San gelten als die Ureinwohner im südwestlichen Afrika. Nachdem sie viele tausend Jahre ihre traditionelle Lebensweise als Jäger und Sammler in weiten Teilen des Landes verwirklichen konnten, wurde ihr Lebensraum durch Zuwanderungen afrikanischer Stämme und später der weißen Siedler zunehmend eingeschränkt. Die Ausweisung aus Naturschutzgebieten schränkte ihren Lebensraum weiter ein. Heute sollen in Namibia noch etwa 40.000 Buschleute leben, von denen jedoch nur ca. 10% weiterhin an der traditionellen nomadischen Lebensweise festhalten.
 
Damara
Die Damara gelten neben den San als das älteste Volk Namibias. Lange Zeit litten sie unter Verdrängung und Unterdrückung durch die später eingewanderten Herero und Nama, deren Sprache sie auch annahmen. Sie selbst nennen sich stolz "Nu-khoin" - schwarze Menschen.
 
Topnaars
Nur etwa 400 Angehörige der insgesamt etwa 3.000 Topnaar leben noch in der Namib. Die Geschichte und Kultur dieses Wüstenvolkes ist eng verbunden mit der Nara-Melone, aus deren Kernen ein sehr nahrhaftes Speiseöl gewonnen werden kann. Neuerdings soll versucht werden, dem Volk der Topnaar durch eine Kultivierung der Pflanze eine bessere ökonomische Zukunft zu geben und somit auch ihre trationelle Lebensweise zu bewahren.

Owambo
Mit einem Anteil von etwa 50 % stellen die Owambos die weitaus größte Bevölkerungsgruppe Namibias dar. Ihr traditionelles Siedlungsgebiet ist der zentrale wasserreiche Norden an der Grenze zu Angola oberhalb des Etosha Nationalparks.

Nama
Das Volk der Nama lebte ursprünglich als viehzüchtende Nomaden nördlich und südlich des Oranje-Flusses, bevor sie später weiter nach Norden zogen und in kriegerische Auseinandersetzungen mit den Herero gerieten. Die Buren gaben ihnen den heute negativ besetzten und deshalb ungebräuchlichen Namen "Hottentotten". Sich selbst nennen die Nama "Khoi-Khoi" - die wahren Menschen.
 
Herero
Die Hereros sind ursprünglich ein Volk von Viehzüchtern. Der Reichtum und das Ansehen wurden durch die Anzahl der Rinder bestimmt. Die auffällige Trachtenkleidung der Herero-Frauen stammt aus der deutschen Kolonialzeit. Während des Hereroaufstandes wurde ein Großteil ihres Volkes getötet und der Rest überwiegend in das heutige Botswana vertrieben. Heute leben wieder etwa 100.000 Hereros in Namibia.
 
Himba
Das traditionell nomadenhafte Hirtenvolk der Himba oder Ovahimba lebt heute noch in sehr ursprünglicher Weise im Kaokoland. Einst gehörten sie zu den Hereros und haben sich im Gegensatz zu diesen ihre Traditionen weitgehend bewahrt. Besonders exotisch und auffällig wirken die Himbas durch ihre verschiedene Haarpracht, ihre mit roter Erde und Fett eingeriebene Haut und ihren Schmuck.
 
Kavango
Im Nordosten Namibias, an den Ufern des Okavango, der teilweise die nördliche Grenze zu Angola bildet, sind die eng mit den Owambo verwandten Kavango beheimatet. In diesem eher abgelegenen Gebiet haben sich viele noch die traditionelle Lebensweise mit Rinderhaltung, Ackerbau und Fischfang in Dorfgemeinschaften erhalten können.
 
Caprivianer
Eher mit der Bevölkerung im benachbarten Zambia verwandt, besiedeln die Caprivianer den länglichen, äußerst fruchtbaren Streifen zwischen Angola und Botswana.
 
Tswana
Die im östlichen Landesteil lebenden Tswana stellen eine kleine Minderheit innerhalb der Bevölkerung Namibias. Sie sind verwandt mit ihren Nachbarn in Botswana, deren Land sie den Namen gaben.
 
Rehobother Baster
Die Baster, die zum großen Teil in Rehoboth südlich von Windhoek leben, wanderten im letzten Jahrhundert aus der Kapprovinz ein. Sie entstanden aus Verbindungen der holländischen Einwanderer mit einheimischen Nama-Frauen. Ihren Namen haben die Afrikaans sprechenden "Baster" ("Bastarde") auf eigenen Wunsch beibehalten und tragen ihn mit Stolz.
 
Weiße
Auch nach der Unabhängigkeit nehmen die Weißen (6% der Bevölkerung) weiterhin eine zentrale Rolle in der Ökonomie Namibias ein. Englisch ist die offizielle Amtssprache, darüberhinaus wird von vielen Weißen Afrikaans und zu etwa einem Drittel auch Deutsch gesprochen.