Die 3experience-Tour

Der Location-Check in Namibia
Von Peter Widhalm, Expeditionsleiter 3experience

Für Sie bin ich vorab nach Namibia gereist, um eine Route festzulegen, die Unterkünfte zu prüfen und Vorbereitungen zu treffen. Eines kann ich Ihnen versprechen: Diese Expedition wird einmalig, abenteuerlich und unvergesslich werden! Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und Staunen.

 

Tag 1
    

Wir reisen durch einen bequemen Flug mit der Air Namibia an. Angenehm ist der Flug über Nacht, dadurch kommen wir ohne Verlust wertvoller Tageszeit in der Früh am Flughafen Hosea Kutako in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, an. 

Der Flughafen liegt eine knappe Fahrstunde außerhalb der Stadt, also bekommen wir schon bei der Fahrt einen ersten Eindruck von der Landschaft. In der Gegend um Windhoek sind kahle Bergrücken zu sehen, die Stadt ist recht nett gelegen, auf gut 1.000 Höhenmetern und dadurch mit sehr angenehmem Klima. Mit insgesamt 400.000 Einwohnern ist Windhoek eine mittelgroße Stadt, bei weitem die größte im gesamten Land.

Die Stadt ist extrem sauber, das fällt sofort auf. Vor allem im Gegensatz zu unseren Hauptstädten. Eine nette Fußgängerzone mit Geschäften und Cafes bei ca. 25°C und herrlicher Sonne wartet auf uns. An unserem Abreisetag hatte es in der Früh in Wien noch 4°C.
 

Tag 2

Nach einer Nacht in Windhoek geht es zur Autovermietung für das standesgemäße Wüstenfahrzeug. Ein Pickup mit 2 Dachzelten und sehr vollständiger Campingausrüstung war schon reserviert, Auto und Ausrüstung sind in bestem Zustand. Damit geht es erst mal Richtung Sesriem am Rand der riesigen Namib-Wüste; anfangs auf Asphalt, sehr bald aber schon auf Schotterpisten, die sehr gut in Schuss sind. So kann auch auf diesen Pisten recht schnell gefahren werden und wir kommen gut weiter. Was mir schon hier sehr auffällt, ist, dass alles wunderschön grün ist. Das erklären wir vorerst noch damit, dass wir im Bergland, durch das die Piste führt, immer noch recht hoch gelegen sind. Die Piste führt über Pässe durch eine abwechslungsreiche Landschaft.

Die ersten Tiere sind schon zu sehen, vor allem „Springbok“, also Antilopen, die wohl am weitesten verbreitete Gazellenart, unserem Reh ein bisschen ähnlich. Von einem Pass aus ergibt sich ein großartiger Blick auf die Landschaft, die sich darunter ausbreitet. Es ist bergig und man sieht bereits die roten, runden Granitfelsen, die wir später nahe Sesriem noch bestaunen und besteigen werden.

Wir beziehen ein Zimmer - halb Zelt, halb Zimmer – in der Namib Desert Camp. Es ist mittlerweile tagsüber schon ganz schön heiß, sehr angenehm nach unserem langen Winter daheim. Gleich neben dem Camp gibt’s einen Granit-Hügel, die Besteigung macht sehr viel Spaß, insbesondere mit der Aussicht auf einen prächtigen Sonnuntergang.

Tag 3

Im ersten Morgengrauen fahren wir ein paar Minuten zum Eingang des Namib-Nationalparks. Nach weiteren 60 km auf einer tadellosen Asphaltstraße parken wir das Auto. Wir wollen über die Ebene zu einer der Dünen von Sossusvlei gehen und diese besteigen. Im anfangs geringen Licht verschwimmen allerdings die Distanzen, so sind wir nach einer halben Stunde Marsch noch immer nicht am Fuß der Düne angelangt. Nicht gar so überraschend, finden sich hier doch die höchsten Dünen unserer Erde. Bis zu 350 m hoch werden die sogenannten Sterndünen, deren Kämme sternförmig auseinanderlaufen.

Der Anstieg den Dünenkamm entlang ist anstrengend, geht dafür aber schneller als erwartet. Trotzdem geht es sich nicht ganz aus, den Sonnenaufgang am Gipfel zu erleben – er ist im Aufstieg aber genauso eindrucksvoll. Nicht nur die wechselnden Farben sind einzigartig, herrlich ist auch die Ruhe. Kein Wind regt sich, ein paar Vögel zwitschern und sonst ist man hier einfach alleine. Und so kommt den kleinen Dingen mehr Bedeutung zu. Hier ein paar Käfer, die am Sand laufen und ihre Spuren hinterlassen, dort eine kleine Eidechse, die sich schnell im noch kühlen Sand vergräbt, wenn man näher kommt. Und am Gipfelkamm zu sitzen und in die Unendlichkeit der Namib zu schauen ist ohnehin unvergleichlich.

Runter geht’s schneller, den Hang der Düne hinab und wieder eine gute halbe Stunde zum Auto. Wir fahren noch ein paar Kilometer auf einer Asphaltstraße, dann folgt 5 km lang tiefer Sand, der nur mit Allradfahrzeugen befahrbar ist. Am Ende der Sandpiste gibt es Frühstück. Danach geht’s zu Fuß weiter, zum Dead Vlei, einer Salzebene mit eindrucksvoll abgestorbenen und verwitterten Bäumen. Ganz schön heiß ist es hier schon. War es vor Sonnenaufgang noch sehr angenehm, die Dünen barfuß zu besteigen, wäre das jetzt schon nicht mehr möglich.

Zurück in Sesriem fahren wir gleich weiter zum De Duine Roadhouse, etwa 100 km nach Süden. Es liegt mitten im Namib Rand Nature Reserve, das ca. 2.200 km² groß und damit fast so groß wie Vorarlberg ist. Im gesamten Gebiet bestehen nur drei Genehmigungen, dort sehr sanft touristische Unternehmungen umzusetzen. So auch der Tok Tokkie Trail, benannt nach einem kleinen schwarzen Laufkäfer und unsere Trekking-Route in der Namib. Maximal 20 Personen dürfen sich gleichzeitig auf den 2.200 km² aufhalten. Mike, unser Führer, wartet schon auf uns und so geht es nach dem Packen unserer Rucksäcke und einer Reisetasche, die ins erste Camp transportiert wird, gleich mal mit einem alten Landcruiser los in Richtung Berge zum Ausgangspunkt der Tour.

Schon auf der Herfahrt waren wir ja verwundert, dass uns das Land so grün erscheint. Überall Wiesen mit hohem Gras, freilich nicht so satt wie bei uns, aber immerhin. Auch hier, im Namib Rand Naturreservat, zeigt sich auffallend dichtes Gras, in dem wir wandern. Wie uns Mike erzählt, gab es heuer außergewöhnlich ergiebige Regenfälle, etwa doppelt so viel Regen in der Regenzeit als im Durchschnitt. So sind auch die roten Dünen nicht gar so auffällig, dafür sieht das Gras aber ganz toll aus, wie es sich im Wind bewegt. Die erste Etappe dauert etwa 3 Stunden. Die Gegend ist überwältigend, so weit das Auge reicht nur Berge, kleine Dünen, Büsche und Ebenen. Keinerlei Hinweise auf Zivilisation, keine Straßen oder Häuser sind zu sehen. Immer wieder stoßen wir auf Tiere, über die Mike sehr viel zu erzählen weiß.

Wir sehen ein paar Springböcke und als Höhepunkt heute die erste Oryx-Antilope, die majestätisch auf einem Dünenrücken steht. Diese Tiere in der Größe von Pferden sind so gut an das trockene Klima angepasst, dass sie ihr ganzes Leben ohne Wasser in flüssiger Form auskommen würden. Sie nehmen Feuchtigkeit nur morgens über die Atmung und über die Nahrung auf. Wenn es eine Wasserstelle gibt, gehen sie natürlich schon hin, aber sie könnten auch ohne überleben. Spinnen, Eidechsen und ein Chamäleon sind zu betrachten. Und auch gleich zwei Hornvipern, kleine aber doch recht giftige Schlangen, super getarnt in genau der rötlichen Farbe der Umgebung.

Das Camp bietet eine gewisse Infrastruktur. So können wir unsere Feldbetten in „Zweibettzimmern“ aufstellen, also an ebenen Stellen an der Düne. Der Schlafsack wird entrollt, das Abendessen bereitet der Guide zu. Wir haben noch Rotwein eingepackt, es wird ein gemütlicher Abend unter einem Sternenhimmel, wie er in unseren Breiten aufgrund der Luftverschmutzung und vor allem auch der „Lichtverschmutzung“ niemals zu sehen ist. So schlafen wir bestens, es ist angenehm kühl und wann immer man aufwacht und den Himmel anblinzelt, sieht er wieder anders aus. Unvergleichbar, eine Nacht unter Sternen.

Tag 4

Um halb 6 werden  wir geweckt, knapp vor Sonnenaufgang. Diesen beobachten wir noch aus dem Schlafsack, dann gibt es gleich Frühstück und recht bald ist Aufbruch. Die Temperatur ist noch angenehm, somit auch das Gehen. Jeder packt wieder seine beiden Wasserflaschen in den Rucksack, sonst nur noch ein paar Früchteriegel, Lunchpäckchen, ein Fernglas und ein gutes Buch. Heute gehen wir in Richtung der Gorassis-Berge, eines Bergkessels, und steigen über den niedrigsten Sattel. Es ist zum Teil ein wenig geröllig, leichte Trekkingschuhe sind aber völlig ausreichend.

Immer wieder sind kurze Trinkpausen nötig. Dehydration merkt man erst, wenn man schon beginnt auszutrocknen. Trinken ist notwendig, auch wenn man keinen Durst hat. Wir tragen bis zur Mittagspause 2l Wasser und füllen dann wieder auf. Ich habe nicht alles getrunken, aber so ca. 2 ½ Liter Wasser waren es schon während des Gehens. Dazu viel Tee in der Früh und am Abend, zudem ein bisschen Wein, also ich trinke deutlich mehr als daheim. Kein Wunder, wird es nach ca. 13 Uhr auch echt heiß. Also sind wir nicht unglücklich, dass bald der Platz für eine Mittagspause gefunden ist. Bis 16 Uhr sitzen wir im Schatten, man döst ein bisschen und nimmt gerne sein Buch aus dem Rucksack. Ein paar Schritte in der Sonne zeigen, dass es um diese Tageszeit wirklich nicht angenehm ist, in der Sonne zu trekken. So machen es auch die Tiere: Während dieser Zeit des Tages suchen die meisten Lebewesen den Schatten.

Die Nachmittagsetappe ist recht kurz, nur 2 Stunden bis zum nächsten Camp, genau rechtzeitig zum überwältigenden Sonnenuntergang. Die Farben der untergehenden Sonne scheinen unglaublich intensiv auf den Dünen wider. Wir freuen uns schon auf die nächste Nacht unter den Sternen.

Tag 5

Die Wanderung führt uns nach dieser zweiten Nacht wieder zurück. Etwa 3 Stunden sind zu gehen, kurz vor dem ehemaligen Farmhaus sehen wir uns noch in einer Anlage um, wo einheimische Schulkinder auf Projektwochen den Umgang mit der Natur und dem knappen Wasser lernen und üben. Gekocht wird mit Solarkochern, sogar Solarbacköfen gibt es. Jede Klasse schläft in einem eigenen Haus. Der gesamte Wasserverbrauch wird gemessen, es entsteht ein Wettbewerb zwischen den Klassen welche das wenigste Wasser braucht. Ein tolles Projekt, in vielem scheint man in Namibia schon weiter zu sein als bei uns.

So geht die „Testwanderung“ zu Ende, eine sehr eindrucksvolle Zeit liegt hinter uns. Es ist keine Action-Reise, sondern eher eine Möglichkeit, unser Tempo und den Druck, der bei uns herrscht, daheim zu lassen.

Beim Trekking lässt man sich eher treiben, plaudert wenn es einen freut und ist still wenn nicht. Überhaupt, still ist es da wirklich. Es weht tagsüber eine leichte Brise, aber die hört man nicht. Noch eine kurze Besichtigung der Wolwedans Dunes Lodge und die zufriedene Gewissheit, dass wir uns hier wohl fühlen werden nach dem Wüstentrekking der 3experience.

Die nächsten Tage verbringe ich als Urlaub in Lüderitz, im Köcherbaumwald, in Swakopmund und im Etosha Nationalpark.
 

Letzter Tag

Am Weg zurück nach Windhoek steht noch eine Besichtigung für die 3experience am Programm: das Erindi Private Game Reserve. Erst seit einem Dreivierteljahr besteht diese Lodge als Luxushotel inmitten eines 700 km² großen, privaten Areals. Das Restaurant steht unmittelbar an einem Wasserloch, das vielen Tieren als Trinkstelle dient.

Krokodile und Nilpferde sind hier wohl angesiedelt worden, trotzdem ist der Blick auf diese gleichermaßen gefährlichen Tiere mit einem Glas Wein in der Hand schon ein ganz unvergessliches Erlebnis.

Es geht zur Abend-Pirsch im Land Rover, Ziel ist es, Löwen zu sehen. Die Chancen stehen hier auch sehr gut, zumal mindestens ein Löwe aus dem Rudel mit einem Senderhalsband ausgerüstet ist und so geortet werden kann. Und außerdem ist es hier kein Problem, dass Ben, unser Guide und Fahrer, wenn nötig auch querfeldein in die Wiese fährt, um zu den Löwen zu kommen. So ist es auch das Erlebnis des Tages, ganz nahe an einer Löwin mit ihren schon recht ausgewachsenen Jungen zu stehen und sie zu beobachten. Wie sie uns fixiert, mit ihren gelben Augen, ist unvergesslich.

Genauso wie die Elefanten und Giraffen, die wir sehen, sogar ein Nashorn – White Rhino oder Breitmaulnashorn – ist dabei. Ich bin überzeugt, dass das Beobachten von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung einfach wirklich beeindruckend ist, zumindest für mich ist das so. Und wenn man dann beim Abendessen auf der Terrasse des Restaurants sitzt und eine Elefantenherde zum Trinken beim Wasserloch vorbeischaut, ist die Überzeugung gewiss, dass die 3experience wieder einen neuen Höhepunkt ermöglicht: Namibia.